[[ Google Street View – und was man dagegen tun muss

Nun wird Google Street View, eine Straßenkarte mit Häuseransicht, wie es sie u.a. bereits in den USA und Großbritannien gibt, auch in Deutschland verfügbar.

Duisburg gehört zu den ersten Städten in Deutschland, für die Google Street View bereitgestellt wird. Laut Planung von Google sollen die Duisburger Straßen ab Ende des Jahres im Internet zu sehen sein. Wie detailgenau, sieht man an diesem Beispiel aus den USA, (wahllos ausgewählt). Es wird dabei nicht nur das Foto angezeigt, sondern auch die Adresse.

http://maps.google.de/maps?q=bar%20harbor%20albert%20meadow&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&sa=N&hl=de&tab=wl

Dabei wird alles fotografiert was Google vor die Linse kommt.

Weitere Infos:
http://www.theregister.co.uk/2010/02/11/street_view_finland/
http://www.dailymail.co.uk/news/article-1285484/Google-surprise-office-girl-flashes-bra-Street-View.html

In den USA arbeitet Google bereits an einer bevorzugten Behandlung in den Telefonnetzen. Das bedeutet: Im Internet ist nur noch der vertreten, der dafür zahlt; anders formuliert: Nur noch wenige große Konzerne, die es sich leisten können, werden im Internet präsent sein.

Weitere Infos:
http://www.boell.de/bildungkultur/bildung-kultur-7482.html
http://www.boersenblatt.net/387684/

Google kontrolliert bereits de facto die Suchfunktionen des Internet, auch wenn es – noch – Alternativen gibt.

Weitere Infos:
http://www.chip.de/artikel/Google-Bessere-Alternativen-zum-Such-Monopolisten_25620613.html
http://www.heise.de/ct/artikel/Googlehagel-290458.html

Google lebt davon, mit Informationen zu handeln. Das ist nicht verwerflich. Problematisch wird es, wenn alle Informationen in einer Hand liegen. Google kleckert nicht, Google klotzt. Es werden nicht nur ganze Bibliotheken mit hunderttausenden von Büchern eingescannt, es werden ganze Staaten fotografiert. Genau darum geht es: Durch jede[!] Straße in Deutschland werden die Google-Autos fahren und alles fotografieren, bzw. seit 2008 sind die Google-Autos in Deutschland bereits unterwegs.

Das Panoramarecht, das es Fotografen erlaubt, Landschaften und Städte, Häuser und Plätze zu fotografieren kann Google nicht für sich in Anspruch nehmen, weil dieses Recht von einzelnen Fotografen ausgeht. Wenn Google sich nun auf das Panoramarecht beruft, dann wird hier – typisch für das Verhalten dieses Konzerns – eine Gesetzeslücke ausgenutzt, die unsere Gesetzgeber – auch typisch – noch gar nicht bemerkt haben.

Was ist daran so schlimm?

Viele Einwände – so berechtigt sie sind – unterschätzen bei weitem das Gefährdungspotential. Zwei sehr grobe Beispiele:

1. Als das Google-Auto durch Ihre Straße fuhr, hatte ihr Nachbar gerade den Sperrmüll bestellt, so dass ein größere Menge Müll am Straßenrand lag. Jahre später möchten Sie eine Wohnung vermieten. Wenn der zukünftige Mieter nun bei Google Street View nachschaut, wie das angebotene Objekt aussieht, sieht er immer einen großen Müllhaufen neben Ihrem Haus.

2. Als das Google-Auto durch Ihre Straße fuhr, hatten sie gerade Besuch von einem Freund, der ein auffälliges Auto einer bestimmten Marke fährt. Irgendwann wundern Sie sich, warum sie von dieser Automarke an Sie persönlich adressierte Werbung erhalten.

Bereits heute ist es möglich, bei entsprechenden Marketing Firmen oder auch der Post, “qualifizierte Adressen” zu kaufen, die daraufhin zusammengestellt sind, dass bestimmte soziale Kriterien bzw. Sozialstrukturen berücksichtigt werden. Natürlich ist es auch ohne Google Street View bereits heute möglich, Adressen in “sozialer Brennpunkt” oder “gutbürgerlich” zu unterscheiden. Das ist schon schlimm genug. Mit Google Street View allerdings werden sich diese Möglichkeiten potenzieren.

Es geht nicht darum, dass mein Haus weltweit im Internet zu sehen ist. Dafür interessiert sich niemand. Auch werden die Möglichkeiten für Einbrecher und Markisenvertreter durch Google Street View nicht wesentlich besser. Das Problem ist vielmehr, dass einer, nämlich Google, ALLE STRASSEN eines Staates sehen kann.

Google wird die Bilder in zweifacher Hinsicht verwenden: Zum einen im jetzt heiß diskutierten Google Street View, für jeden im Internet sichtbar, interessant für all die Leute, die mal nachschauen wollen, wie der Chef so wohnt und ob er Gardinen an den Fenstern hat. Hier wird heftig über die Auspixelung (unscharf machen) einzelner Häuser gestritten. Die Auspixelung, erfolgt bei Google auf freiwilliger Basis, es besteht kein Rechtsanspruch!

Der zweite Verwendungsbereich ist der für die Geschäftsstrategie von Google viel interessantere, nämlich die interne Auswertung. Googles Geschäft ist das Sammeln, Ordnen und Verkaufen von Informationen. Keine Firma, die auf Gewinn angewiesen ist, wird einen solchen Aufwand treiben, ALLE Straßen eines Staates zu fotografieren und das weltweit in allen Staaten, nur um die Neugier der dortigen Bürger zu befriedigen oder ihnen bei der Reiseplanung zu helfen. Google wird die Informationen aus Street View mit andren vorhandenen Informationen verknüpfen, dabei muss davon ausgegangen werden, dass die Bilder nur für die Allgemeinheit im Internet ausgepixelt werden, die Rohdaten bei Google unkorrigiert bleiben. Das gleiche gilt für Hausnummern und Autokennzeichen. Somit bleiben die Bilder, einmal fotografiert, für den eigentlichen Zweck, die Verwertung durch Google, erhalten. Denn, machen wir uns nichts vor, Google Street View, ist nur ein nettes Bonbon für die Allgemeinheit. Trotzdem muss der Darstellung in Google Street View widersprochen werden, um deutlich zu machen, dass sich nicht man der Verschiebung von Grenzen (Was ist öffentlicher, was ist privater Raum? Was ist der Unterschied zwischen digitalem und realem öffentlichen Raum?)

Die Konsequenzen aus Google Street View werden viel subtiler sein, als man es sich heute vorstellt. Wenn die Bilder erst vorliegen, werden sich Auswertungs-/Verwertungsmöglichkeiten finden. Die Verteidigungsargumente für die Machenschaften der Firma Google sind besonders perfide: Gefordert wird die Freiheit des Internets. Doch in Wahrheit geht es um genau das Gegenteil: Die Kontrolle durch eine Firma.

Der Gesetzgeber hat es zwei Jahre lang versäumt, rechtliche Grundlagen zu schaffen. Eine gesetzliche Regelung im Herbst, mehr als 2 Jahre nach dem Google begonnen hat die Fotos zu erstellen, kommt noch später als zu spät und ist zudem völlig wirkundlos, weil die Verwertung nicht durch die im Internet sichtbaren Seiten und nicht in Deutschland passieren wird. Die Rechte an Google Street View liegen nicht bei Google Deutschland, sondern beim amerikanischen Mutterkonzern.

Seit dem 16. August 2010 kann für 4 Wochen der Anzeige des eigenen Hauses bei Google Street View widersprochen werden. Widersprechen können Mieter oder Eigentümer. Ob und welche Widerspruchsmöglichkeiten danach noch bestehen ist unklar (Stand 17.08.2010). Wenn Google den Widerspruch berücksichtigt, erscheint an der Stelle Ihres Hauses kein schwarzer oder weißer Fleck, sondern es wird nur unscharf gemacht.

In Köln und Wuppertal können Sammeleinsprüche erhoben werden, das ist in Duisburg bislang nicht der Fall. Auf der Seite des Verbraucherschutzministeriums und bei der Verbraucherzentrale NRW können Widerspruchsentwürfe herunter geladen werden.

Weitere Infos:
BMELV: http://www.bmelv.de/cln_163/SharedDocs/Standardartikel/Verbraucherschutz/Internet-Telekommunikation/GoogleStreetview.html
VZ-NRW: http://www.vz-nrw.de/UNIQ128151606223477/link769561A.html

Nicht nur, dass Sie der Nutzung durch Google Street View widersprechen müssen statt sie zu erlauben, ist ein Widerspruch nur möglich, in dem Sie Google zu dem Foto Ihres Hauses bzw. Ihrer Wohnung auch noch Ihren Namen und Ihre Anschrift bekannt geben. Eine andere Nutzung oder Verarbeitung Ihrer Anschriftdaten als zur Bearbeitung des Einspruchs sollten Sie deshalb unbedingt untersagen. (Zusätzlich verlangt Google noch, dass Sie Ihr Haus kurz beschreiben, z.B. „rote Klinker, schwarzer Giebel“).

Außerdem Sollten Sie bei Ihrem Widerspruch Google mitteilen, dass sie Google-Produkte und Dienste nicht mehr nutzen werden – und sich auch daran halten.

Dann ist Welt vielleicht doch keine Google.


https://www.datenschutzzentrum.de/geodaten/streetview.htm

Dieser Beitrag wurde unter Google, Internet abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>