[[ Einfach zynisch – oder Bunga Bunga in Tsunamesien

Was ein Tsunami ist, muss man wohl niemandem mehr erklären: Es handelt sich um eine Naturkatastrophe, die Tod und Verwüstung bringen kann.

Seit den Aufständen in Nordafrika sind auf der italienischen Insel Lampedusa 22.000 Flüchtlinge aus Nordafrika angekommen, vor allem aus Tunesien. Von der italienischen Regierung werden sie unter menschenunwürdigen Bedingungen dort. Ziel ist es, die Verhältnisse so darzustellen, als würde Europa bedroht. Dementsprechend spricht der italienische Ministerpräsident Berlusconi nun von einem “menschliche Tsunami”
(Quelle: http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E9769A9EBE35C4D4FB9A1A1A23DEAC6CF~ATpl~Ecommon~Scontent.html) Italiens Innenminister Roberto Maroni hatte bereits vor einem “biblischen Exodus” gewarnt. (Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/italien-tunesien-fluechtlinge)

Das ist ein neuer Gipfelpunkt der menschenverachtenden Politik der EU, allen voran Italiens. Aber auch der deutsche Innenminister Friedrich ist kaum besser als sein italienischer Kollege: Er besteht darauf, dass sich Italien allein um die Flüchtlinge kümmert.

Jahrezehnte hat Europa, vor allem Italien, von den Despoten in Nordafrika profitiert. Berlusconi hat Gaddafi geschmeichelt und gefördert, damit er dafür sorgt, dass aus Afrika keine Flüchtlinge mehr in Europa ankommen, ob sie dabei in libyschen Gefängnissen landen, war egal. Man hat Gaddafi die Drecksarbeit machen lassen und da er nicht zimperlich war, hat er sie gut gemacht.

Laut Schätzungen sollen bereits 16.000 Flüchtlinge aus Afrika ertrunken sein, bei dem Versuch, Europa in wackeligen Nuss-Schalen zu erreichen, oftmals aufgegriffen von Frontex und zur Umkehr gezwungen, in Länder, in denen Menschen in unterirdischen Gefängnissen gehalten werden. (Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/benghasi-libyen-aufstand).

Ein reiches Land wie Italien mit 60.000.000 Einwohnern kann 22.000 Flüchtlinge aufnehmen und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Erst recht kann es die Europäische Union mit ihren 500.000.000 Einwohnern. Selbst wenn der Flüchtlingsstrom bis Jahresende unvermindert anhält, sind die Flüchtlinge menschenwürdig zu behandeln. Das ist möglich, es handelt sich bis dahin dann um 0,02 Prozent der EU-Bevölkerung.

Die meisten Menschen, die aus Nordafrika fliehen, sind gut ausgebildet und können und wollen hier arbeiten, sich also keineswegs in der alt bekannten sozialen Hängematte ausruhen. Warum soll das nicht für einige Jahre gehen?

Weil Probleme von außen, je massiver je besser, unseren Politikern immer lieber sind, als sich mit echten inneren Problemen zu beschäftigen.

Statt von Italien zu verlangen, die Flüchtlinge in menschenwürdigen Unterkünften unterzubringen, verlangt der bayrische Innenminister Joachim Herrmann eine einheitliche Haltung der EU gegenüber Wirtschaftsflüchtlingen, die darin besteht, diese in ihre Heimatländer zurück zu schicken.

Berlusconi, der von seinen Strafprozessen und Bunga-Bunga-Parties ablenken will, benutzt das Elend der Nordafrikaner zu seinem eigenen Vorteil. Das ist mehr als schäbig, aber schließlich sind die Flüchtlinge nicht weiblich und unter 18 Jahre alt. Der deutsche Innenminister Friedrich geht auf das Spiel ein und schürt ebenfalls die unbegründete Sorge vor einer nicht vorhandenen Flüchtlingswelle.

Flüchtlingen = Wirtschaftsflüchtlinge = Naturkatastrophe = Tod und Verheerung

So einfach und zynisch denken unsere Politiker von Berlusconi bis Friedrich. Einfach zynisch.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Kommentar von Karsten Polke-Majewski
vom 15. Februar 2011 aus der Zeit-Online: http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/italien-tunesien-fluechtlinge

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