[[ George W. Obama, der Hoffnungsträger, oder: Bin ich jetzt schon konservativ?

Gestern morgen weckte mich mein Radiowecker mit der Nachricht, die USA hätten Osama bin Laden getötet. Frau Merkel gratuliert und in Amerika tanzen die Menschen auf den Straßen und veranstalten Autocorsos.

Ich fand das entsetzlich, denn erstens: Kein Gericht dieser Welt hat bestätigt, dass Osama bin Laden zum Täterkreis der Attentaten des 11. September gehört, zweitens gibt es keinen nachvollziehbaren Beweis, dass es sich bei dem Getöteten wirklich um Osama bin Laden handelt, drittens: Was gibt es da zu tanzen und zu feiern, als hätte man ein Fußballspiel gewonnen?

Den ganzen Tag über habe ich dann nicht viele weitere Meldung in dieser Angelegenheit mitbekommen, erst abends in den Tagesthemen: Dort erwähnte Moderator Tom Buhrow in einem Gespräch, die “seltsame” Reaktion des Vatikan, die Hinrichtung eines Menschen, wie viel Schuld er auch auf sich geladen habe, sei niemals Grund zum Jubeln. Ich finde diese Reaktion nicht seltsam, sondern es ist genau das, was ich auch denke.

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=483440

Dann kam der Kommentar von Jörg Schönenborn, dem Rechtsdraußen der Erbsenzähler, der sich für keinen Angriff auf unser Sozialsystem zu schade ist. Zu meinem großen Erstaunen kommentiert Schönenborn, Amerika sei ihm heute ein fremdes Land. Er äußert sein Unverständnis über die tanzenden Amerikaner, fordert, man hätte Osama bin Laden in Den Haag vor Gericht stellen müssen. Eine spektakuläre Hinrichtung diene in erster Linie Obamas geschwächter Innenpolitischer Position.

http://www.tagesthemen.de/kommentar/kommentarschoenenborn100.html

Der Tag lässt mich politisch verwirrt zurück. Die Hoffnung auf das “moralisch gesunde Amerika” mutiert nun endgültig zu George W. Obama. Und ich habe immer gedacht, politisch links zu denken, doch nun stehe ich auch einmal in einer Reihe mit Papst Benedikt XVI. und Jörg Schönenborn.

Bin ich jetzt schon konservativ?

Auch heute morgen geht die Kommentarschlacht weiter, Ulrich Reitz, WAZ-Chef kommentiert in dreifacher Länger, warum der Tyrannenmord an Osama bin Laden eine “erlaubte Sünde” ist.

http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Ueber-diesen-Tyrannenmord-von-Ulrich-Reitz-id4605252.html

Schon allein der Ansatz von christlicher Weltanschauung ist in einer sekularisierten Gesellschaft zumindest fragwürdig, in einer Auseinandersetzung mit einer anderen fanatisierten Religion vielleicht sogar brandgefährlich. Hier wird fälschlich eine Differenz zwischen christlicher Moral und islamischem Fanatismus aufgebaut, die erstens so gar nicht besteht und zweitens vollkommen unerheblich ist.

Reitz versteigt sich dazu, die Tötung Osama bin Ladens mit dem Attentat auf Adolf Hitler zu vergleichen und kommt zu dem Ergebnis, das beides gerechtfertigt war. Das ist so verquer, dass man es gar nicht korrigieren kann.

Schließlich kommt Reitz zu der Frage, ob ein demokratischer Rechtsstaat so etwas tun darf:

Seine Tötung war darum auch, wenn auch ein radikaler, Ausdruck der Wehrhaftigkeit unserer Demokratie. Noch klarer: Dieser Tötungsakt verletzt nicht unseren Rechtsstaat, er bestätigt ihn.

Der Tyrannenmord an Osama bin Laden war ein Akt der Notwehr. Einem fairen Gerichtsverfahren wollte sich der Top-Terrorist niemals stellen. Der Grund ist nicht Misstrauen gegenüber westlicher, amerikanischer Justiz. Nein: Gottgleich wähnte er sich einfach im Recht. Demokratie war für ihn Dekadenz, demokratische Rechtsprechung konnte demnach nur Ausdruck davon sein.

Was für ein Angst machendes Verständnis von Rechtsstaatlichkeit bei dem Chefredakteur einer der auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen. Wehrhaftigkeit einer Gesellschaft besteht für Reitz darin, ohne Gericht und ohne Urteil diejenigen zu ermorden, die sich ihr nicht unterordnen möchten. Genau das habe ich immer für ein Kennzeichen autoritärer Staaten gehalten.

Das heißt doch auch, man hätte die Täter der RAF nach Wild-West-Manier einfach “umlegen” sollen, statt sich mit langwierigen Prozessen und Schuldnachweisen aufzuhalten. Einen Bankräuber darf man nur noch vor Gericht stellen, wenn er ein schlechtes Gewissen hat und sich dem Gericht unterwirft. Andernfalls: Peng, Puff, und gut ist. War es falsch, Eichmann nach Jerusalem zu bringen und dort vor Gericht zu stellen?

So einfach kann ein Weltbild sein.

Nein, noch bin ich nicht konservativ.

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Eine Antwort auf [[ George W. Obama, der Hoffnungsträger, oder: Bin ich jetzt schon konservativ?

  1. Katharina sagt:

    Jetzt hat der “Friedensnobelpreisträger” OBAMA bewiesen, daß er ein “echter Amerikaner” ist.
    Wie praktisch und wie nützlich für die nächste Wahl. Der Wahlkampf ist jetzt wohl eröffnet.

    Aber er hat nicht bewiesen, daß er ein “echter Friedensnobelpreisträger” ist.
    Dieser Beweis steht noch aus.

    Ich weiß nicht, wer den Arteikel geschrieben hat, aber er ist richtig gut.
    Nichts hinzuzufügen. Danke

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