[[ Journalismus und Manipulation

Am 14. Februar 2012 habe ich eine e-mail an den WDR gesendet, in der ich einige Fragen zu einer Reportage von Frau Eva Müller gestellt habe. Ausser einer Eingangsbestätigung, habe ich darauf bislang keine Antwort erhalten.

Von: Internet redaktion
Gesendet: 21:21 Dienstag, 14.Februar 2012
Betreff: Antw: die story – 13.02.2012 (Ihre Mail)

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>>> 14.02.2012 21:21 >>>

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich am Montag, 13.02.2012 den Beitrag “Der Fall von Adolf Sauerland” in der Reihe „die story“ gesehen. Es war nicht der erste Beitrag von Frau Müller über den ehemaligen Duisburger Oberbürgermeister, aber leider wieder ein Beispiel sehr für schlechten und tendenziösen Journalismus.

Ich bin Duisburger Bürger und seit der Love-Parade engagiere ich mich, dass politische Verantwortung wieder wahrgenommen wird. Da ich die Verhältnisse hier in Duisburg und viele der beteiligten Personen kenne, weiß ich auch, welche wichtigen Informationen Frau Müller dem Zuschauer vorenthält. Dazu möchte ich Ihnen einige Beispiel nennen.

Beispiel 1: Frau Müller berichtet über diejenigen, die in Duisburg von ihrem Grundrecht Gebrauch machen und gegen Adolf Sauerland protestieren, unter anderem am 3. Oktober 2010 beim Tag der offenen Tür im Duisburger Rathaus. Ich selber war auch dort, bin auch kurz im Film zu sehen. Im Zusammenhang, den Frau Müller herstellt, erscheint es so, als hätten die Gegner im Rathaus auf der Lauer gelegen, um Adolf Sauerland wie ein verschrecktes Wild zu stellen. Das ist aber nicht so. Etwa 10 Personen trugen T-Shirts, auf denen sie ihre Kritik am Oberbürgermeister zum Ausdruck brachten und an den öffentlichen Führungen an diesem Tag teilnahmen. Es wurde nicht gepfiffen, nicht gebuht, keine laute Kritik geäußert. Wie uns andere Besucher berichteten, hat Herr Sauerland hinter einer Ecke abgewartet, bevor er sich hinter uns in sein Büro schlich. Später, als wir das Rathaus verlassen hatten, wurde handverlesen eine Besucher-Gruppe zusammengestellt, die dann für die Kamera in das Amtszimmer des Oberbürgermeisters geführt wurde. Frau Müller hat die Gelegenheit nicht genutzt, uns anzusprechen und nach unseren Motiven und unseren Vorwürfen zu fragen. Warum nicht? Waren wir nicht radikal genug? Nicht freakig oder frech genug? Hätten wir mit Schlagstöcken kommen müssen oder vor die Zimmertür des Oberbürgermeisters schlagen, damit Frau Müller uns anspricht? Waren diese ruhigen, besonnen Menschen nicht plakativ genug?

Beispiel 2: Kommentar: “Josef Krings hat einmal den gleichen Job gemacht wie Adolf Sauerland”. Das kann man so nicht sagen. Zur OB-Zeit von Krings gab es noch die Doppelspitze aus Stadtdirektor und Repräsentant. Herr Krings war ehrenamtlich Oberbürgermeister und nie Chef der Stadtverwaltung, die die Genehmigungs- und Kontrollbehörde für die Love-Parade war. Herr Krings nannte sich zwar auch Oberbürgermeister, das es “der gleiche Job” war, kann man so aber nicht sagen. Weiß Frau Müller das nicht oder verschleiert sie hier absichtlich?

Beispiel 3: Herr Schuchardt wird gefilmt, wie er andere Bürger zur OB-Abwahl einlädt. Herr Schuchardt hat sich aktiv bereits am Sammeln der Unterschriften beteiligt, war aber keine zentrale Person der Abwahl-Initiative. Der Kommentar zu dieser Szene lautet: “Was man Dirk Schuchardt und seinen Kollegen nicht ansieht: Sie sind alle vom SPD-Ortsverein.”

Gegen Ende der Sendung wird Herr Sauerland mit den Menschen gezeigt, die bis zuletzt zu ihm stehen. Er ist zu Gast bei einem „angesehenen türkischen Unternehmer“, Herrn Selgün Calisir. Adolf Sauerland bekommt einen Brief von dessen Tochter und streichelt ihr liebevoll über die Wange. Er erfährt selber Zuspruch. Was man Herrn Calisir nicht ansieht: Er ist Mitglied der CDU-Fraktion.

Wieso verschweigt Frau Müller das? Warum ist es bei Herrn Schuchardt wichtig, bei Herrn Calisir aber nicht? Warum wird ein SPD-Ortsverein durch Frau Müller wie eine Geheimorganisation dargestellt, die die Bürger unterwandert und manipuliert, CDU-Mitgliedschaft aber gar nicht erwähnt? Ist das einfach nur schlecht recherchiert? Wusste Frau Müller nichts davon? Oder hat sie es absichtlich verschwiegen?

Das sind nur drei Beispiel, die Liste lässt sich verlängern.

Im Interview zur Sendung erklärt Frau Müller: “Die Zuschauer sollen sich selbst ein Bild machen, wir enthalten uns aller Bewertungen.” (http://www1.wdr.de/themen/archiv/sp_loveparade/sauerland198.html) Wie passt das mit diesen verfälschenden Darstellungen und verschwiegenen Inhalten zusammen? Ist das Weglassen von Informationen nicht auch eine Bewertung?

Meine Vorwürfe richten sich in diesem Zusammenhang nicht gegen Herrn Sauerland. Er nutzt die Möglichkeiten, die sich ihm bieten. Auch habe ich nichts dagegen, wenn Frau Müller die Ansichten von Herrn Sauerland teilt.

Was mich an dem Beitrag von Frau Müller aber beunruhigt, ist die Frage, was ich alles nicht erfahre, wenn ich die Hintergründe nicht kenne? Ist es bei WDR-Reportagen normal, dass Fakten manipulativ weggelassen und Nebenaspekte ins Zentrum gerückt werden, dass Bezugsrahmen hergestellt werden, die so nie existiert haben? Muss ich davon ausgehen, dass mir der WDR immer nur die halbe Wahrheit präsentiert? Ist das, was Frau Müller hier präsentiert, das Objektivitätsverständnis des WDR?

Ich freue mich auf Ihre Antworten.

Freundliche Grüße

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