[[ Wie viel Tand ist ein Leben wert?

Nun haben wir also einen neuen Oberbürgermeister. Mit hoch rotem Kopf und Amtskette um den Hals leitete Sören Link heute seine erste Ratssitzung. Nach den feierlichen Worten zu Beginn, versprach Link, der 4. Juli 2012 sei ein Neubeginn in Duisburg. Neubeginn müsse man aber auch zulassen. Seine große Rede mit programmatischen in inhaltlichen Impulsen will er im September auf der nächsten regulären Sitzung halten. Link sagte, er wolle Anwalt der Fairness im Umgang sein, er stehe für einen neuen Stil: zuhören, zusammenführen, ansprechbar sein. Nur im Dialog ließen sich Lösungen finden.

Auf der Sitzung der WAZ-Leserbeirates hatte Sören Link zugesagt, sich als Moderator zwischen der Firma Krieger und den Opfern und Hinterbliebenen der Loveparade-Katastrophe bei den Gesprächen über die Gedenkstätte einzuschalten. In den letzten Tagen muss er sehr aktiv gewesen sein. Statt 100 qm werden die Gedenkstätte nun 660 qm zur Verfügung stehen.

Das ist gut und richtig und es ist gut, dass Sören Link das erreicht hat. Ich nehme diese Nachricht mit großer Erleichterung auf, da ich mir nicht sicher war, in wie weit sich Rat und Verwaltung für die Gedenkstätte einsetzen. Wer immer im Hintergrund da mitgemischt hat – und wer nicht – bleibt unklar.

Aber: Jedes Ding hat seine zwei Seiten. Den 660 qm für die Gedenkstätte hat Krieger nicht umsonst zugestimmt. Der Rat der Stadt wäre rechtlich in der Lage gewesen, diese Fläche als Grünfläche auszuweisen, dann hätte Krieger, auch wenn Grund und Boden ihm gehören, keine Möbel verkaufen können. Dazu war man aber anscheinend nicht bereit, zumal Krieger gedroht hatte, wenn er nur 10% Fläche für Randsortimente, also Handtücher, Kerzen, Geschirr, alles was man sonst noch im Möbelhaus kaufen kann, genehmigt bekommt, würde er das ganze Projekt ruhen lassen.

Zum Schutz der Händler in der Innenstadt hat die CDU einen Antrag eingebracht, diese Randsortimente auf 10% der Fläche zu begrenzen, dem die anderen Fraktionen nicht zustimmen wollten. Die Grünen enthielten sich: wischi-waschi – nach allen Seiten offen und für nichts verantwortlich.

Letztlich sieht es so aus: Die Fläche für die Gedenkstätte hat Krieger sich für die Zustimmung zu 20% Fläche für Randsortimente abkaufen lassen. Es ist gut, dass die Fläche nun zur Verfügung steht, aber diesen Preis dafür zu zahlen, ist zynisch.

Wie viel Tand ist ein Leben wert?

Kann würdiges Gedenken mit Verkaufsfläche für Billigschrott erkauft werden?

Beides existiert nebeneinander und muss ausgehalten werden, so schlimm das auch ist. Trotzdem empfinde ich diesen Kuhhandel als unmoralisch, habe ich kein gutes Gefühl dabei. Ja, es ist erreicht, die erforderliche Fläche ist gesichert, aber es bleibt ein bitterer Geschmack zurück. Vielleicht wäre eine moralisch einwandfreiere Lösung möglich gewesen, wenn die Mitglieder des Rates sich eindeutiger auf die Seite der Loveparade-Opfer und Hinterbliebenen gestellt hätten. Ich weiß es nicht.

Der Witz des Tages gebührt wieder mal dem Grünen Kantel: Er dankte ausgerechnet Dr. Peter Greulich für seine Bemühungen und die Unterstützung der Loveparade-Opfer und Hinterbliebenen. Bescheiden wie er ist, winkte Greulich ab, es sei eine Gruppenleistung gewesen.

Weitere Berichte:

Stadtentwicklung: Duisburger Freiheit wackelte
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/duisburger-freiheit-wackelte-id6844799.html

Loveparade: Stadtrat beschließt 660 statt 100 qm Platz für Loveparade-Gedenkstätte
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/stadtrat-beschliesst-660-statt-100-qm-platz-fuer-loveparade-gedenkstaette-id6843090.html

Vereidigung: Duisburgs neuer Oberbürgermeister Sören Link will „Anwalt der Fairness“ sein
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/duisburgs-neuer-oberbuergermeister-soeren-link-will-anwalt-der-fairness-sein-id6844715.html

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