[[ Bruckhausen – Realitätsverlust oder üble Propaganda bei der Duisburger SPD

Der Widerstand gegen den Abriss von Bruckhausen scheint doch Wirkung zu zeigen, denn anscheinend glaubt die Duisburger SPD propagandistische Schützenhilfe zu brauchen. Deshalb lud man NRW-Bauminister Michael Groschek ein. Die nach dem Besuch verteilte Pressemeldung ist ein Glanzstück der Propaganda, durch ein Spiel mit Autorität und Referenz, vor allem aber durch die gezielte Umdeutung von Begriffen wird schamlos versucht, die öffentliche Meinung zu manipulieren.

Experten für Stadtumbau

Mit dem NRW-Bauminister holt man qua Amt einen Experten für Stadtplanung, zumindest entsteht dieser Eindruck, und dieser Experte ist beeindruckt und überzeugt, so sehr sogar, dass er das Projekt Duisburg Bruckhausen als Vorlage für andere Städte mit ähnlichen Problemen benutzen möchte. Auch aus den Fehlern möchte er lernen, so offen ist der Minister, dass noch mehr Offenheit kaum geht.

Als zweite Expertin entpuppt sich Sarah Philipp, MdL für den Wahlkreis Duisburg Süd, bei der darauf verwiesen wird, sie sei Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss des Landtags. Frau Philipp ist studierte Geografin und war vor ihrer Wahl in den Landtag Mitarbeiter im Planungsamt der Stadt. Sie erklärt die Besonderheit von Duisburg bzw. Bruckhausen. Während andere Städte wachsen, schrumpft Duisburg, deshalb sind hier andere Stadtplanungsmaßnahmen erforderlich als in anderen Städten.

Wenn Frau Philipp vor ihre Landtagstätigkeit im Planungsamt der Stadt gearbeitet hat, stellt sich die Frage, was sie dort getan hat und in wie weit sie in die Vorbereitung bzw. den Abriss von Bruckhausen verstrickt ist. Spricht hier das Mitglied des Landtagsausschusses Stadtentwicklung oder die ehemalige Mitarbeiterin des Stadtplanungsamtes?

Umdeutung der Begriffe

Abriss gleich Umgestaltung

Die SPD-Duisburg spricht von Umgestaltung des Quartiers und der Umgestaltung bestimmter Plätze und meint Flächensanierung.

Der Blick aufs Detail

Die Rede ist weiter von markanten Stationen des Stadtviertels und Details wie die Grenzziehung des Abrissgebietes. Damit wird der Eindruck erweckt, gezielt einzelne Schwachstellen zu beseitigen. Der Abriss ganzer Straßenzeilen läßt für einen Blick auf Details allerdings nur wenig Raum.

Denkmalschutz

Vom Denkmalschutz einzelner Gebäude ist die Rede. Dabei wird sich in Wahrheit über jeden Denkmalschutz hinweggesetzt wird.

Unkenntnis der Vergangenheit oder absichtliches Ignorieren

Für NRW-Bauminister Groschek ist das alles: Pionierarbeit in Bezug auf den Rückbau und die Aufwertung von benachteiligten Wohnquartieren geleistet. Hier sieht man, wie wichtig gezielte Städtebauförderung des Landes ist.” Einer seiner Vorgänger im Amt, Prof. Christoph Zöpel, der sich inzwischen auch für den Erhalt Bruckhausens einsetzt, hatte der Flächensanierung Anfang der Achtziger Jahre eine Absage erteilt, weil man erkannt hatte, dass damit den Städten geschadet und nicht geholfen wurde. Herr Groschek kennt also weder die Geschichte der Region noch die Geschichte seines Fachs – oder beides ist ihm egal. Soviel zur Expertise von Herrn Groschek.

Frau Philipp malt das Gespenst der Schrumpfung an die noch abzureißende Wand: “Anstelle eines Mangels an Wohnraum müssen wir uns mit Rückbau beschäftigen. Dies bedeutet allerdings nicht nur Abriss, sondern auch, dass der gesamte Stadtteil durch die Sanierung und den Grüngürtel aufgewertet und stabilisiert wird.” Dabei übersieht sie völlig, dass der Versuch, mit Flächenkahlschlag die Lebensqualität zu erhöhen bislang immer gescheitert ist. Soziale Konflikte bleiben trotz Abrissen erhalten. Individualität und Identität einer Stadt aber werden irreversibel zerstört. Kein Wort dazu, dass Lärm- und Staubbelastung laut verschiedener Gutachten durch den Grüngürtel nicht sinken werden. Dinge wie Industriegeschichte und Architekturtradition scheinen Frau Philipp unbekannt zu sein. Da hat die Rocksängerin Doro Pesch aus Düsseldorf mehr von Duisburg verstanden, wenn sie sagt: Duisburg, das ist Stahl, Arbeit und Schweiß.
[Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/doro-feiert-debuet-beim-stadtfest-in-duisburg-id7982368.html]

Warum muss der Stadtteil überhaupt stabilisiert werden? Die Zeit zitiert den Duisburger Planungsdezernenten mit den Worten: “Ein Problemquartier”, so Tum. Dort leben schließlich “Ausländer, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger”. [Quelle: http://www.zeit.de/2013/19/duisburg-abriss-staedtebau/komplettansicht] Dass die Stadt mit ihrer Veränderungssperre absichtlich zum Verfall Bruckhausens beigetragen hat, unterschlagen Tum, Groschek und Philipp.

Was ist das, das die Duisburger SPD hier treibt? Realitätsverlust oder übelste Propaganda?

Flächensanierungen sind gescheitert und vielfach verhindert worden

Für die Hamburger Hafenstraße, Berlin Kreuzberg oder Oberhausen Eisenheim gab es ähnliche Pläne, die nur durch Widerstand aus der Bevölkerung verhindert werden konnten. Weitere Beispiele finden sich auch in Duisburg: Für Ruhrort hatte man ein ähnliches Schicksal vorgesehen wie für Bruckhausen. Immer musste die Bevölkerung gegen Verwaltung und Politik den Erhalt durchsetzen und in allen Fällen war dieser Widerstand richtig. Niemand würde heute bezweifeln, dass der Erhalt der Hafenstraße, Kreuzbergs oder Ruhrorts richtig war.

Historisch gewachsene Identität wird geopfert zu Gunsten einer austauschbaren Seelenlosigkeit aus Stahl und Beton oder Gras: Überall gleich, verwechselbar, belanglos. Dafür Danke SPD und herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag.

Die Presse fällt drauf rein – oder macht mit

Die Onlineredaktion von derwesten.de ergänzt zwar den Satz: Unbeeindruckt hingegen war er ganz offensichtlich von der relativ massiven öffentlichen Kritik am Projekt in Teilen der Bevölkerung. Ansonsten fällt man auf die Manipulation entweder herein oder unterstützt sie absichtlich, in dem man im Titel mit dem Groschek-Zitat noch eins draufsetzt: Pionierarbeit ins Sachen Rückbau. Der Artikel bei der westen.de ist leider nicht namentlich gekennzeichnet, so dass ein Ansprechpartner fehlt. Ich hätte gerne gewusst, ob bei derwesten.de absichtlich so gearbeitet wird, oder ob dort niemand erkennt, dass man das Opfer von Manipulation und Begriffsumdeutung wird.
[Quelle: http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nord/pionierarbeit-in-sachen-rueckbau-id7981622.html]

Vor allem: Welche Manipulationen, die kritiklos von der Redaktion veröffentlicht werden, erkenne ich gar nicht, weil mir das Hintergrundwissen fehlt ???

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2 Antworten auf [[ Bruckhausen – Realitätsverlust oder üble Propaganda bei der Duisburger SPD

  1. Es ist unfaßbar, welche Leute sich in existentiell und sachlich wichtigsten Fragen des Städtewesens sich durch die Region schwatzen. Dieses Geschwätz ersetzt nahezu jegliche Sachkenntnis und Methode, Problemlösungen im Diskurs vorzubereiten. Der Minister hätte etwas aus seiner Heimatstadt Oberhausen an Eisenheim lernen können. Seine Zuarbeiter haben vergessen, was sie an der IBA-Emscher Park an Erfahrungen machen konnten.

  2. Harald Jochums sagt:

    Folgende Mail habe ich am 11. Juni 13 an Minister Groschek vom Städtebaumysterium NRW geschrieben/gemailt. –
    In dem darin erwähnten “Personenbündnis” haben sich u.a. zusammengefunden und zweimal mit Herrn Groschek gesprochen (alphabetisch):
    Bewohner: Muhamed Bülbül, Markus Hagedorn, Turan Senel, …
    Duisburger Bürger/innen: Katrin Gems, Harald Jochums, OB DU a.D. Josef Krings, …
    Unterstützer/innen: Prof. Roland Günter, Prof. Christa Reicher, Prof. Christoph Zöpel, …

    “An Minister Groschek – persönlich – Offene Mail

    Sehr geehrter Herr Groschek,
    sehr geehrte Frau Jentgens,

    haben Sie bisher gegenüber dem Personenbündnis eine “Kann-ich-nichts-machen-
    Haltung” eingenommen, outen Sie sich nunmehr sogar als Befürworter dieser menschlichen und kulturellen Schande:

    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/nord/pionierarbeit-in-sachen-rueckbau-id7981622.html?ciuac=true

    Da ich bei den Schweren Pionieren der Bundeswehr meinen Grundwehrdienst abgeleistet habe, weiß ich, was unter Pionierarbeit zu verstehen ist. Dazu gehört leider auch Zerstören. Aber was wir aufgebaut haben, hatte wenigstens Hand und Fuß. Noch nichteinmal das ist bei den städtischen und ländlichen “Planungen” zu erkennen. –
    Zunehmend werden bei uns im Re4 die Wurzeln zerstört, ohne die aber nichts Neues wachsen kann. –
    Und das sog. Neue hat weder Hand und Fuß noch Sinn und Verstand. Und so wird unser (!) Re4 langsam zu einem gesichtslosen, charakterlosen Anhäufung von sinnentleerten Allerweltsgebilden, gut abzulesen an den sog. “Centern”, die Unsere Städte zu zerstören drohen. –
    Darüberhinaus mache ich Sie darauf aufmerksam, daß durch den “Rückbau” eine gigantische Summe an Steuergeldern verschwendet wird. Jeder Buchstabe dieses unseligen Begriffes ist viele, viele Millionen EURO wert – sinnlos, gedankenlos, phantasielos. –

    Da es sich hier um ein zentrales Problem der Stadtentwicklung handelt, erwarte ich von Ihnen eine grundlegende Diskussion zu diesem Thema mit uns fach- und sachkundigen Bürgern, zumal Sie dem Personenbündnis Bruckhausen weitere Gespräche avisiert haben, die aber bis heute nicht stattgefunden haben, was ich ausdrücklich bedauere. –
    Bedauert habe ich auch, daß Sie ausschließlich den “Argumenten” der Stadt gefolgt sind, wir hingegen noch nicht einmal mit Ihren Experten reden konnten, obwohl Sie uns das in unserem ersten Gepräch zugesagt hatten. –

    Und ich darf Sie noch an folgende Themen erinnern, zu denen ich Sie noch angesprochen hatte:
    O-Busse und “Planung” Überdachung Hbf DU. –

    Gruß aus dem Ruß
    JO.

    Harald Jochums /u.a. Archetekt für Ökologisches Bauen /DU-Rheinhausen

    P.S.: Diese Mail ist ausschließlich in eigenem Namen geschrieben”

    Erläuterung zum P.S.: Hatte eine solche Wut im Bauch, daß ich die anderen Mitglieder des Personenbündnis nicht noch alle um Zustimmung zu der Mail befragen konnte, ich ansonsten geplatzt wäre – was einige Entscheider und Verweser der Stadt wahrscheinlich mit Beifall quittiert hätten. –

    Zu den “Centern” und der von ihnen ausgelösten “Centeriritis” habe ich einen Kurzfilm gedreht: “Center in the City – Eine Kehrseite”, der jetzt – oh Wunder – von der “Immobilienzeitung” zum Film der Woche gekürt worden und hier anzusehen ist:

    http://youtu.be/Z-WRDRiSDI4

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