[[ Bob Dylan in Düsseldorf

Auf jedem Dylan-Konzert tauchen Freaks auf, die sich für die Reinkarnation des Meisters halten. So spielte auch gestern Abend in Düsseldorf und junger Mann als Dylan-Kopie am Eingang der Halle Mr Tambourineman und andere Klassiker.
Dylan selber spielte nicht Mr Tambourineman, zwar Blowin in the wind als Zugabe, aber das klang anders als vor über 50 Jahren, als er es zuerst aufgenommen hatte. Außerdem spielte Dylan sehr viele vergleichsweise neuere Titel und nur wenige alte, was mal wieder zu Irritationen im Publikum führte. Eine Frau hinter mir hörte ich sagen, dass ihr der junge Mann draußen gut gefallen habe, weil er so nah am Original gewesen sei. Und “so was in dem Stil” habe sie auch im Konzert erwartet.
Das fand ich interessant. Irgendjemand auf dem Parkplatz, der Dylan bestenfalls schlecht nachmacht, ist für Dylan-Konzertbesucher originaler als das Original. Wie geht das?
Nobody sings Dylan like Dylan steht auf einer LP aus den sechziger Jahren. Anscheinend stimmt das nicht mehr und junge Unbekannte, die Dylans Enkel sein könnten, singen Dylan besser als Dylan selber. Dabei ist der Vorwurf, Dylan singe nicht so oder das, was oder wie Dylan singen solle, so alt wie Dylans Karriere. Seit dem legendären elektrifizierten Auftritt beim Newport Folkfestival 1965 lebt Dylan mit dem Vorwurf, die Vorlieben seiner Fans nicht zu bedienen. Und an diesem Vorwurf hat sich bis heute nichts geändert. Wer erwartet, dass Blowin in the Wind noch so klingt wie vor 50 Jahren, hat nicht mitbekommen, was Dylan die letzten zwanzig Jahre so treibt und der versteht auch nicht, was Dylan so interessant macht. Wer die Lieder, zig-tausend Mal an Lagerfeuern zerklampft, genauso hören will, als lebten wir noch im Jahr 1962, der verlangt von Dylan, auf jede künstlerische Entwicklung zu verzichten – und hat sich vermutlich selber auch nicht weiter entwickelt.
Dabei ist Dylan das lebende Musik-Experiment. Seine Lieder sind noch lange nicht fertig, wenn sie auf der Platte erscheinen, sie müssen im Laufe der Jahre auf der Bühne erspielt werden, manchmal auch nach Jahrzehnten. Und manchmal geht das auch schief, wie man gestern bei What Good Am I? hören konnte, als Dylan in den Tasten daneben griff und auch die Band anscheinend keinen Schimmer hatte, wie es weiter geht.
Alles in allem hat mir dieses Konzert besser gefallen als vor zwei Jahren in Oberhausen, was aber auch daran liegt, dass die Soundqualität in Oberhausen miserabel war. Auch hier, in den nur zwei Jahren Abstand, sind schon wieder Entwicklungen und Veränderungen in Dylans Stil zu hören. Ein Höhepunkt war das ruhige Forgetful Heart, das Dylan in der fast dunklen Bühnenmitte stehend sang. Überhaupt war die Bühne während des gesamten Konzerts nur sehr spärlich beleuchtet, was zu einer intimen Atmosphäre beitrug.

Diese Lieder spielte Dylan:

1. Things Have Changed
2. She Belongs To Me
3. Beyond Here Lies Nothin’
4. What Good Am I?
5. Pay In Blood
6. Waiting For You
7. Duquesne Whistle
8. Tangled Up In Blue
9. Love Sick
(Pause)
10. High Water (For Charley Patton)
11. Simple Twist Of Fate
12. Early Roman Kings
13. Forgetful Heart
14. Spirit On The Water
15. Scarlet Town
16. Soon After Midnight
17. Long And Wasted Years
(Zugabe)
18. All Along The Watchtower
19. Blowin’ In The Wind

Band:
Bob Dylan – piano, harp
Tony Garnier – bass
George Recile – drums
Stu Kimball – rhythm guitar
Charlie Sexton – lead guitar
Donnie Herron – banjo, violin, electric mandolin, pedal steel, lap steel

Quelle: http://www.boblinks.com/102213s.html

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