[[ Schimanski/George über Duisburg

Da passt es ins Weltbild, dass auch Duisburg angeblich gesichtslos wird. George auf Spiegel Online: „Immer wenn ich da wieder auftauche, fragt mich der Bürgermeister: Na, ist unsere Stadt nicht schön geworden? Aber Duisburg ist inzwischen von keiner anderen deutschen Stadt mehr zu unterscheiden, es sieht aus wie in Köln oder Düsseldorf.“
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/schimanski-schimpft-goetz-george-zieht-ueber-duisburg-her-id8641677.html

Ich habe Schimanski nie gemocht und nicht gesehen. Aber was Herrn George hier auffällt, ist offensichtlich: Durch die gewaltsame Aufhübschung der Duisburger Innenstadt hat sich der Charakter der Stadt verändert. Duisburg war Stahl, Arbeit und Schweiß. Das war nicht immer schön, aber immer lebenswert für viele. Jetzt haben wir Einheitsfassaden und Kommerz für wenige.
Natürlich ist eine Stadt kein Museum, aber wenn die gesamte Entwicklung in eine Richtung gedrängt wird, dann ist das bedenklich. Die Kommerzialisierung der Innenstadt (als Beispiel sei nur die Verkleinerung der Stadtbibliothek zugunsten eines weiteren Shoppingtempels genannt) wird mit der Münze bezahlt, auf deren Rückseite die marginalisierten und verarmten Randbereich der Stadt zu sehen sind. Was George kritisiert und Link und Gerste schön finden, nannte Alexander Mitscherlich bereits 1965 die “Unwirtlichkeit unserer Städte”.
Wem als Reaktion nur einfällt, die Sechs-Seen-Platte oder das Forum seien doch so schön, der hat genauso wenig verstanden, was der Kernpunkt von Georges Aussage ist, wie diejenigen, die so tun als wäre in Duisburg alles schlecht und man müsse so schnell wie möglich wegziehen. Insofern taugt Schimanski vielleicht besser als Ikone für Duisburg als Herr Link.
Ich wohne nicht nur hier, ich lebe gerne in Duisburg.

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2 Antworten auf [[ Schimanski/George über Duisburg

  1. Mimi Müller sagt:

    Korrektur:
    (im langen Satz vergaloppiert)

    Was ich mich frage ist, warum sich niemand von den “alten Kämpen” zur Müllverbrennungsanlage äußert, warum überhaupt niemand mehr von denen, die angesichts der Toten der Loveparade, eine Umkehr forderten, sich zu Wort meldet, warum die Mitstreiter immer noch so wort – und tatenlos zuschauen, bei dem was geschah, und was immer noch vorgeht, “weiterläuft wie geölt”..

  2. Mimi Müller sagt:

    Ja, eindeutig: Schimanski taugt besser für Duisburg, als dieser “gefakte” Link.
    Und auch Dein Kommentar zu Dylan gefiel mir sehr gut – ich habe ihn gerade ihn Hamburg gesehen – und genossen. Glücksgefühle, seit langer Zeit mal wieder.

    Was ich mich frage ist, warum sich niemand von den “alten Kämpen” zur Müllverbrennungsanlage äußert, warum überhaupt niemand mehr von denen, die angesichts der Toten der Loveparade, eine Umkehr forderten, immer noch so wort – und tatenlos zuschauen, bei dem was geschah, und was immer noch vorgeht, “weiterläuft wie geölt”..

    Ich vermisse Axel. Ich vermisse ihn immer wieder, wie er mit seiner Empörung, seinem Zorn, der Sprachlosigkeit Vieler seinen ganz persönlichen Aus- und Nachdruck verlieh. Unseren Mitstreiter, unser Freund – der zwar nicht immer den richtigen Ton fand – aber er fand ja doch einen.
    Jetzt? Ist nur noch Schweigen.

    Ich bin so weit weg von Duisburg. Ich habe lange unter dem Verlust von “Heimat” gelitten.
    Jetzt ist mir nicht nur die Stadt, die man gesichtslos gemacht hat, fremd – jetzt werden mir auch zunehmend “die Duisburger” fremd, von denen ich niemals gedacht hätte, daß sie sich derartig widerspruchslos “verlinken” lassen würden, nachdem sie so erfolgreich für sich und ihre Stadt gekämpft hatten.

    Bis heute keine einzige Anklageerhebung – in den zahlreichen Fällen, in denen die Staatsanwaltschaften ermitteln. Altes wird nicht aufgeklärt, und der Raubbau geht unvermindert weiter. Heute wird er einen neuen Höhepunkt erreichen. Heute wird – natürlich- kein Recht gebrochen, heute wird auch nicht Recht gebeugt, nein, niemals, sowas macht hier keiner, hier wird neues Recht geschaffen. Heute wird -mal wieder- eine neue, feine “Gesellschaft” gegründet.
    Und einmal mehr wird der Stattrat dafür verantwortlich sein. Und einmal mehr ist unter den Duisburger Plantanenwipfeln Ruh…

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